
Der Blick von der Straße.
Wir hatten uns wunderschöne Grundstücke angeschaut. Ein oder zweimal wären wir auch fast schwach geworden, doch dann siegte der vernünftige Deutsche in uns. Manche bebauten Grundstücke lagen in Naturschutzgebieten, mit einem sagenhaften Blick, aber wir hätten dort nie etwas anbauen dürfen. Dann gab es Objekte wo ein Teil illegal gebaut worden ist. Typisch für Italiener die Aussage: Kein Problem, der nächste ‘Condono’ (Legalisierung) kommt bestimmt und dann lasst ihr es legalisieren.
Doch das war uns viel zu riskant.
Durch die vielen Besichtigungen hatten wir das Gebiet, wo wir bauen wollten auch eingegrenzt. Es sollte zwischen Martina Franca, Cisternino und Ceglie liegen.
Und dann haben wir 2008 endlich unser Grundstück gefunden. Bis auf eine Menge Olivenbäume, ein paar Mandel- und Feigenbäume gab es nur noch einen gr0ßen Steinhaufen, Aia genannt . Früher war dies der Dresch- oder Trockenplatz der Bauern. Und noch eine gut erhaltene Zisterne.
Genau das hatten wir gesucht: Das Grundstück war fantastisch, leicht hügelig und es hatte einen umwerfenden Blick.

Blick auf Martina Franca.

Unbewohnte Trullo
Da hatten wir uns ja was vorgenommen. 1 – 2 mal im Jahr sind wir dann nach Apulien geflogen um uns Objekte anzuschauen. Immobiliemakler gibt es dort wie Sand am Meer und wir haben bestimmt den einen oder anderen zur Verzweiflung gebracht. Wir wussten nur, es sollte einen tollen, möglichst weiten Blick haben und nicht eingebettet im Olivenhain liegen. Zu einsam wollten wir dort auch nicht wohnen, also der eine oder andere Nachbar wäre gut. Eigentlich sollten schon Gebäude vorhanden sein, die wir nur noch etwas umbauen wollten.
Wir haben uns viele, viele Grundstücke und Häuser angeschaut. Bekamen Einblicke in das doch teilweise sehr einfache Leben der Landbevölkerung.
Die jungen Leute zieht es in die Städte und zurück bleiben die Alten. Doch die schaffen oftmals die Arbeit nicht mehr und wollen oder müssen deshalb verkaufen.

Hier wären wir fast schwach geworden.

Aufpassen, dass keine Oliven vom Netz rollen.
Die Männer holen die Oliven vom Baum und wir Frauen sind für das Einsammeln verantwortlich. Am Anfang habe ich nur nach Anweisungen von Rosa oder Giovanna die Netze ausgelegt. Da bin ich doch mehr oder weniger hinterher gelaufen und habe mich nur gewundert wie schnell die Beiden arbeiten. Von wegen mal verschnaufen oder ein kleines Päuschen – Pustekuchen, zack zack ging das!
Die Oliven werden vorsichtig in den Netzen von aussen nach innen gerollt. Sie haben nachher ein ganz ordentliches Gewicht. Bevor sie in die Bottiche gefüllt werden, müssen noch die kleinen Äste und so gut es geht die Blätter rausgesammelt werden. Anschließend werden sie vorsichtig in die Kübel geschüttelt.

Äste und Blätter müssen entfernt werden.
Bevor wir uns auf die Suche nach einem Grundstück gemacht haben, hieß es erstmal: informieren. Wir sind dem Verein ‘Deutsche in Italien’ beigetreten, um auch rechtlich auf dem Laufenden zu sein. Wir haben an einem Tagesseminar teilgenommen und dort viel Wissenswertes erfahren.
- Gibt es ein Vorkaufsrecht der Nachbarn?
- Gibt es Miet-oder Pachtverträge?
- Ist das Grundstück schuldenfrei? In Italien würde man die Schulden beim Kauf (anders als in Deutschland) übernehmen.
- Wie sieht es steuerlich aus?
- Ist alles legal gebaut?
- Wie groß dürfen Sie bauen?
- Lassen Sie den Vertrag unbedingt von einem deutschen Notar prüfen!
Natürlich waren wir auch verunsichert - als Ausländer dort was kaufen, nur mit ein paar Brocken italienisch im Gepäck und man hört ja auch soviel negative Sachen. Für uns war es deshalb sehr wichtig, soviele Infos wie möglich zu sammeln und der Austauch mit Gleichgesinnten.
Während unserer Urlaube haben wir einige von ihnen kennen gelernt. Ein Ehepaar hatte sich schon ein teilweise bebautes Grundstück gekauft und deren Erfahrungen haben uns sehr geholfen. Auch von italienischer Seite haben wir viele gute Tipps und Ratschläge bekommen – Danke Gregorio.

Die kanarische Insel La Palma
Es wäre doch schön, wenn wir ein kleines Häuschen im Süden hätten, wohin man in der schlechten Jahreszeit entfliehen kann. Mit dem Gedanken begann alles vor ca. 10 Jahren. Unser erster Anlaufpunkt war La Palma. Eine wunderschöne Insel, aber eben eine Insel wohin man eigentlich nur mit dem Flugzeug kommt. Da wir beide zu der Zeit nicht gerne fliegen mochten, war das schon ein Problem. Nach vielen Gesprächen mit deutschen Auswanderern, nahmen wir davon wieder Abstand. Im Grunde lebten sie dort wie in Deutschland mit ihren hohen Hecken, den Nachbarschaftsstreitereien und wenig Kontakt zu den Einheimischen – nur hatten sie eben das schöne Wetter. Das war nichts für uns, wir wollten ja nicht wie in Deutschland leben. Uns reizte das Neue und etwas andere Leben. Nach einem gedanklichen Zwischenstopp in Portugal, sind wir dann vor 6 Jahren nach einem Italienurlaub in Apulien hängengeblieben.

Masseria Selvaggi im Valle D'Itria.

Leckere Apfelsinen
Wochenmärkte
Ostuni: Samstag und Mittwoch (großer Markt)
Martina Franca: Mittwoch (unser Lieblingsmarkt)
Cisternino: Montag
Fasano: Mittwoch
Francavilla: Samstag
Ceglie Mess.: Samstag
Alberobello: Donnerstag
Locorodondo: Freitag
Monopoli: Dienstag
Antikmärkte
Brindisi: 1. Sonntag im Monat
Ostuni: 2. Sonntag im Monat
Martina Franca: 3. Sonntag im Monat

Antikmarkt in Martina Franca

Obst und Gemüse frisch vom Feld
Wenn Sie in Puglia Urlaub machen, sollten Sie auf jeden Fall einen ‘Un Mercato’ den Wochenmarkt besuchen.
Es ist eine Freude, das super frische Obst und Gemüse zu sehen. In großen Mengen werden im Winter Artischocken, Fenchel, wilder Spargel und vieles mehr angeboten. 10kg Apfelsinen kosten z.B. 3,00€!!!
Dann gibt es aber auch den Teil wo Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Werkzeuge und Möbel angeboten werden. Sie müssen natürlich schon auf die Qualität achten, denn auch hier finden Sie viele Händler mit Produkten in minderer Qualität. Oft wird aber auf ‘Made in Italy’ extra hingewiesen.
Sehr viele Italiener kleiden sich hier ein, kaufen ihr Gardinen oder Töpfe auf dem Markt.
Auch wenn Sie nichts kaufen möchten, es ist ein Erlebnis.

Schuhe in allen Formen und Farben.

Saracen-Trullo
Aus einfachen Bauernhütten entstehen heute wunderschöne Landhäuser.
Nicht selten umfasst so ein Komplex 8-10, manchmal sogar noch mehr Trullo. Brauchten die Menschen früher mehr Platz, wurde einfach noch ein Trullo dran gebaut. Innen ist es meist sehr verwinkelt und teilweise höhenmäßig auch unterschiedlich.
Entstehungslegende
Die netteste Legende der Trulli geht aus dem 17. Jh. hervor.
Die Hausbesitzer mussten in dieser Zeit an den König eine Grundsteuer abführen. Um seinen Untertanen die Abgabe zu ersparen, ließ der Feudalherr sie mörtellose Steinhütten bauen. Bevor die Steuereintreiber kamen, nahmen die Bewohner die Steinplatten vom Dach. Denn nur ein Haus mit Dach galt als bewohnbares Gebäude und wurde besteuert.

Alte Trulli
Ein Trullo – mehrere Trulli
Besucht man das erste Mal das Valle D’Itria, fallen einem sofort die vielen Trulli-Bauten ins Auge. Wie Zipfelmützen ragen sie aus den grünen Olivenhainen und Weingärten hervor. Rund 5000 wurden im gesamten Itria-Tal gezählt.
Wurden sie vor ca. 300 Jahren hauptsächlich zur Unterbringung von Vieh und Geräten genutzt, dienten sie später den Bauern als Wohnraum.
Heute werden die Meisten in aufwendiger Arbeit restauriert und als Ferienunterkünfte oder Sommerwohnsitze hergerichtet. Neue Eigentümer sind neben Italienern viele Engländer und Deutsche.

Alter Saracen-Trullo

Masseria Cappucini
Zweimal haben wir im Hochsommer unseren Urlaub in der Masseria Cappucini verbracht.
Der Besitzer Gianfranco wohnt gleich nebenan und steht den Gästen gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Vier liebevoll zurecht gemachte Trulli laden zu einem erholsamen Urlaub ein. Morgens wird in einem seperaten Trullo das Frühstück serviert.
An dem wunderschön angelegtem Pool kann man völlig entspannt den Tag geniessen. Besonders für kleine Kinder ist er geeignet, da er ganz flach reingeht.
Nicht weit von der Masseria ist auch hier der kleine Alimentarie von Gino.
Die Masseria ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die umliegenden Städte. Zum Strand sind es etwa 20 Min. mit dem Auto.

Der Pool mit herrlichem Blick